Image: Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg
Die Gigafactory von Tesla in Grünheide bei Berlin ist längst im Kreis der deutschen Automobilhersteller und Automobilstandorte fest etabliert und avanciert mit den neuesten Investitionsankündigungen zu einem großen Zell- und Batteriehersteller für Elektrofahrzeuge. Wir freuen uns daher besonders, dass der Werksleiter der Gigafactory Berlin-Brandenburg, André Thierig, für uns Zeit gefunden hat und aus seiner Sicht die Batterie-Wertschöpfungskette in Deutschland bzw. Europa bewertet und genauer berichtet, was Tesla in Grünheide plant.
Herr Thierig, vor wenigen Wochen hat Tesla mit der Entscheidung zum Ausbau der Batteriefertigung in Grünheide einen sehr wertvollen Impuls für den Batteriestandort Deutschland gegeben. Was genau steckt dahinter?
Die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen ist europaweit im ersten Quartal dieses Jahres stark angestiegen. Auch die Nachfrage nach dem Model Y von Tesla, das wir hier in Grünheide produzieren, ist stark gestiegen. Wir reagieren nun darauf und steigern unsere Produktion ab Sommer 2026. Dafür stellen wir bis Sommer dieses Jahres 1.000 neue Arbeitskräfte an.
Gleichzeitig verfolgen wir bei Tesla schon immer die Strategie einer hohen vertikalen Fertigungstiefe am Standort und einer starken Lokalisierung unserer Lieferkette. Da ist es nur logisch, nun auch die Batterieproduktion hochzufahren. Dafür investieren wir insgesamt 350 Mio. Dollar und stellen mittelfristig 1.500 neue Mitarbeitende für die Zellproduktion ein – von der Zellfertigung bis zum fertigen Pack. Unser Ziel ist es, 18 GWh am Standort zu produzieren.
Sehen Sie darin auch ein Signal für die beginnende Skalierung des europäischen Batterieökosystems?
Hier liegen Wunsch und Wirklichkeit jedenfalls noch weit auseinander. In Europa wird viel in die Batterieforschung investiert. Gleichzeitig setzen viele Vorhaben der EU derzeit auf Vorgaben, die Batterien „Made in Europe“ zur Bedingung machen und zudem die zu verwendende Technologie in der Batteriefertigung regulieren wollen. Das lässt außer Acht, wie viel Innovation in der Batterieproduktion derzeit noch passiert. Und wie komplex und kapitalintensiv gerade die Skalierung in der Batteriefertigung ist. Hier sind uns Standorte wie China oder USA weitvoraus. Sie haben Fertigungskapazitäten und Know-how aufgebaut, das uns in Europa derzeit noch fehlt. Wir gehen jetzt voran und wollen zeigen, dass Batteriefertigung at scale auch in Europa möglich ist.
Tesla ist der Vorreiter der E-Mobilität und ist aus den großen globalen Märkten nicht mehr wegzudenken. Für Europa und das europäische Batterie-Ökosystem ist Tesla ein sehr wichtiger Akteur und Indikator geworden. Welche neuen, innovativen Wege gehen sie mit der Batteriefertigung in Grünheide?
Wir werden am Standort die neue 4680-Batteriezelle fertigen und dabei komplett auf das Trockenbeschichtungsverfahren setzen. Dieses Verfahren kommt ohne Lösemittel und energieintensive Trocknungsprozesse aus, reduziert den Flächenbedarf in der Fabrik erheblich und senkt die Produktionskosten – ein Wendepunkt in der Zellfertigungstechnologie. Wir sind sehr stolz auf dieses Verfahren, sparen wir damit doch erheblich an Energie ein und wir können so umweltschonender produzieren.
Wenn Sie die globale Entwicklung betrachten, wo stehen wir aus der Sicht von Tesla aktuell und wo sehen Sie zwingenden Handlungsbedarf?
Aktuell sehen wir viele Vorschriften und Regularien, die in Brüssel bereits beschlossen oder geplant sind. Das zeigt, man hat erkannt, wie wichtig eine eigene Batterieproduktion in Europa ist, um Resilienz aufzubauen. Das ist grundsätzlich zu begrüßen. Um diesen Hochlauf der Batteriefertigung zu unterstützen, braucht es aber mehr. Wir müssen in Europa wettbewerbsfähiger werden. Produktions- und Energiekosten müssen auf ein international vergleichbares Niveau. Dafür sind immer neue Regularien in der Batterietechnologie, bei einer sich stetig weiterentwickelnden Technik, hinderlich.
Die Lieferketten von kritischen Rohstoffen müssen resilient aufgestellt werden durch Recycling, Diversifikation und auch Abbau der Rohstoffe innerhalb und außerhalb der EU. Und natürlich braucht es, wie in den USA, outputorientierte Förderung. Damit würden global vergleichbare Wettbewerbsbedingungen in Europa geschaffen werden. Nur so wird sichergestellt, dass perspektivisch Batterien „Made in Europe“ at scale hergestellt werden.
Wir freuen uns auf die weiteren Entwicklungen bei Tesla. Für die vor Ihnen stehenden Herausforderungen und die Umsetzung der Investitionen wünschen wir Ihnen viel Erfolg und bedanken uns für das interessante Gespräch.
Mit herzlichem Dank



