Bericht aus Brüssel
Bild © TraWeBa Auf dem Podium v.l.n.r.: Jakub Stolfa (ASA‑Präsident), Brigitte Torloting (Vize‑Präsidentin Region Grand Est), Guido Guidesi (Region Lombardei), Thomas Schmidt (CoRAI‑Vorsitz), sowie Mark Nicklas (Leiter Referat I.2, DG GROW)
Am 15. Oktober 2025 diskutierten Vertreter aus Regionen, EU‑Kommission und Industrie bei einem gemeinsamen Treffen der Committee of Regions Automotive Intergroup (CoRAI), der Automotive Regions Alliance (ARA) und der Automotive Skills Alliance (ASA) die nächste Phase der Transformation. Die Veranstaltung fand im Rahmen der European Week of Regions and Cities statt.
Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick
- Elektromobilität legt kräftig zu, doch Importe drücken auf die Werke.
Etwa ein Drittel der Neuwagen in Europa fährt bereits ganz oder teilweise elektrisch. Ein erheblicher Anteil wird jedoch von außerhalb Europas eingeführt. Viele europäische Standorte arbeiten deshalb unter ihrer Kapazität. - Ländliche Räume brauchen kleine, bezahlbare Elektroautos.
Individuelle Mobilität bleibt außerhalb der Großstädte unverzichtbar. Gefordert wird ein Schwerpunkt auf kompakten, erschwinglichen, emissionsfreien Fahrzeugen, damit Klimaziele und gesellschaftliche Bedürfnisse zusammengehen. - Beschäftigung sichern – mit qualifizierten Fachkräften in Europa.
Die Umstellung auf elektrische Antriebe verändert Arbeitsplätze und Wertschöpfung. Deutlich wurde der Wunsch, die Transformation mit Beschäftigten in Europa zu bewältigen: durch zügige Weiterbildung in Batterietechnik, Qualitätssicherung, Automatisierung und Software – statt durch Verlagerung. - Politik und Investitionen: Jetzt handeln.
Ein umfassender Aktionsplan der Europäischen Union steht noch aus. Um voranzugehen wurde diskutiert über Kaufzuschüsse für einkommensschwächere Haushalte speziell für kleine Elektroautos sowie kontinuierliche Förderung von Forschung und Entwicklung, um Innovation zu sichern. - Regionale und grenzüberschreitende Zusammenarbeit als Hebel.
Kompetenzzentren und Netzwerke entlang der gesamten Lieferkette – von Materialien über Batteriezellen und ‑systeme bis zum Wiederverwerten – sollen Wissen bündeln. Auch neue Ausbildungsinitiativen für Halbleiter‑ und Batteriefachkräfte wurden als Schlüsselfaktor benannt. - Wettbewerbsfähigkeit: Kosten senken, Tempo erhöhen.
Produktion in Europa ist teurer als in anderen Weltregionen. Gezielte, klar befristete Unterstützung kann helfen, wenn sie sauber ausgestaltet ist. Parallel müssen Automatisierung und die gesamte Batterie‑Wertschöpfung gestärkt werden, um mit Wettbewerbern, unter anderem aus China, Schritt zu halten. - Regulatorische Klarheit und Fokus auf Einstiegsmodelle.
Klare Regeln beschleunigen Investitionen. Die Priorität auf kleine, bezahlbare, emissionsfreie Fahrzeuge gilt als wirksamster Weg, Klimaneutralität sozial ausgewogen zu erreichen. - Ausdrückliche Forderung: Aufhebung des Verbrennungsmotors.
Mehrere Redner verlangten ein Ausstieg des Verbotes des Verbrennungsmotor. Technologien müssen sich am Markt bewähren und die Elektromobilität wird sich auch ohne Verbot durchsetzen. Mehr Flexibilität würde Herstellern helfen die Transformation mit europäischen Fachkräften zu meistern.
Folgen für Batterie und Wertschöpfung
- Mehr Herstellung in Europa: Ausbau von Zell‑ und Batteriesystem‑Fertigung sowie Wiederverwertung senkt Abhängigkeiten und Transportkosten.
- Kostenvorteile bei Einstiegsmodellen heben: Entscheidend sind optimierte Zellchemien, standardisierte Batteriesysteme, einfache Fahrzeugarchitekturen und sparsame, softwaregestützte Steuerungen.
- Fachkräfteoffensive: Berufsbegleitende Qualifizierungen in Elektrochemie, Batteriemanagementsystemen, Prüftechnik und Automatisierung schnell und flächendeckend anbieten.
- Netzwerke verbinden: Regionale Kompetenzzentren entlang der Kette – von Kathodenmaterialien bis zur Wiederverwertung – über Grenzen hinweg koppeln, damit Wissen, Zulieferer und Pilotanlagen zusammenfinden.
- Öffentliche Mittel gezielt einsetzen: Förderung für Erprobungs‑ und Hochlauflinien, Automatisierung und Wiederverwertungstechnologien – flankiert von sozial ausgerichteten Kaufanreizen für kleine Elektroautos.
Fazit
Die Botschaft aus Brüssel ist eindeutig: Ohne bezahlbare Elektromobilität für den Alltag – besonders im ländlichen Raum – bleibt die Transformation unvollständig. Gefordert wurden gezielte Unterstützung für Einstiegsmodelle von Elektroautos und eine starke Batterie‑Wertschöpfung in Europa. Wer jetzt Kompetenzzentren stärkt, Netzwerke schmiedet und Beschäftigte in Europa qualifiziert, sichert Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze – und bringt Klimaneutralität vom Ziel zur Wirklichkeit. Das Thema „Ende des Verbrennungsmotors“ bleibt aktuell.



