Bild © Zinnwald Lithium GmbH
Kommen wertvolle Rohstoffe für Batterien bald aus Sachsen?
Das könnte den Batteriemarkt in Ostdeutschland deutlich voranbringen: Das Projekt der Zinnwald Lithium GmbH im sächsischen Erzgebirge. Und das nicht erst seit dem TraWeBa-Kongress in diesem Jahr. Marko Uhlig – Geschäftsführer der Zinnwald Lithium GmbH – stellte damals das Projekt von der Lithium-Lagerstätte über das geplante Bergwerk bis hin zur Aufbereitungs- und Weiterverarbeitungsstätte vor und wird uns heute im Interview nochmals Einblicke in die aktuellen Planungen vermitteln.
Herr Uhlig, bevor wir weiter ins Detail gehen, wie vielversprechend ist aus Ihrer Sicht die Lagerstätte im ostsächsischen Zinnwald?
„Wir sprechen hier im Osterzgebirge von einer der größten Lagerstätten in Europa. Die aus heutiger Sicht anvisierte Fördermenge könnte für umgerechnet 800.000 E-Fahrzeuge pro Jahr reichen. Der Lithium-Abbau in Sachsen könnte damit das Rohstoffdilemma in der deutschen und europäischen Batterieproduktion spürbar reduzieren. Zudem würde eine heimische Rohstoffversorgung die Abhängigkeit der deutschen Automobilwirtschaft auf Dauer verringern und so mehr Sicherheit für die weitere Elektrifizierung der Fahrzeugverkehre bedeuten.“
Wie sicher ist ein Abbau in den kommenden Jahren?
„Wir gehen davon aus, dass im sächsischen Zinnwald schon bald Lithium abgebaut werden kann. Es ist das Material, das die europäischen Batteriehersteller am häufigsten einsetzen. Für ein Elektrofahrzeug werden derzeit im Schnitt etwa 15 Kilogramm Lithiumhydroxyd benötigt. Bis dahin sind aber noch einige Hürden zu nehmen und wir brauchen auf jeden Fall die Unterstützung aus Dresden, Berlin und Brüssel.“
Sachsen war viele Jahrzehnte vom Bergbau geprägt. Steinkohle, Braunkohle, Zinn, Kobalt, Silber, Uran und vieles mehr wurden gewonnen und nun könnte Lithium diese Tradition wieder aufleben lassen?
„Traditionen sind wichtig für die Identität einer Region. Aber das, was unser Projekt ausmacht, ist moderner nachhaltiger Bergbau plus fortschrittlichste Verarbeitungsmethoden und -prozesse. Mit seiner Lage im Herzen der europäischen Chemie- und Automobilindustrie profitiert das Zinnwald Lithium-Projekt von der Nähe zu potenziellen Abnehmern aus der Batteriewertschöpfungskette. Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit sind in jedem Schritt unseres Projekts fest verankert. Das Gelingen eines Vorhabens dieser Größenordnung wird eine Erfolgsgeschichte für die Region und musterhaft für Deutschland sein – wenn es gemeinsam getragen wird.“
Wie genau müssen wir uns die Erzlagerstätte vorstellen?
„Unser Projekt hat das Potenzial, mit einer ausgewiesenen Ressource von insgesamt 2.662.000 Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent (LCE) zu den größten Lithiumproduzenten Europas zu werden. Das bedeutet eine langfristig stabile Rohstoffversorgung über mehrere Jahrzehnte.In den Jahren 2022 und 2023 haben wir ein umfangreiches Bohrprogramm durchgeführt, um genauere Erkenntnisse über den Erzkörper von Zinnwald zu gewinnen. Aus insgesamt 84 Bohrungen wurden 27 Kilometer Bohrkernproben für eine detaillierte Analyse und Modellierung der Lagerstätte gewonnen. Die Ergebnisse dieser Studie sind in der aktualisierten Mineralressourcenschätzung dargelegt. Aktuell läuft die Raumverträglichkeitsprüfung, bei der es auch eine erste Öffentlichkeitsbeteiligung gab. Neben freiwilligen Maßnahmen wie der jetzt begonnen Umwelt- und Sozialverträglichkeitsstudie, arbeiten wir an den Unterlagen für die abschließende Machbarkeitsstudie und das eigentliche Zulassungsverfahren unter Bergrecht.“
Wieweit sind die Vorbereitungen inzwischen gediehen?
„Die vorläufige Machbarkeitsstudie aus dem Frühjahr 2025 bescheinigt dem Vorhaben sowohl die technische wie auch die wirtschaftliche Durchführbarkeit. Die Studie beschreibt eine zweistufige Erschließungsstrategie, wobei in Phase 1 eine jährliche Produktion von 18.000 Tonnen Lithiumhydroxid in Batteriequalität angestrebt wird. Phase 2 baut darauf auf und so kann die Produktion auf eine Spitzenproduktion von zirka 35.000 Tonnen pro Jahr verdoppelt werden, wobei eine Lebensdauer der untertägigen Mine von über 40 Jahren vorgesehen ist.Der nächste Schritt, der sicher weitere Investoren anziehen würde, ist die Bankable Feasibility Study, daran arbeiten wir bereits. Um diese finale Machbarkeitsstudie fertigzustellen, haben wir einen Kapitalbedarf in zweistelliger Millionenhöhe. Gleichzeitig gibt es erste Gespräche zu Abnahmevereinbarungen, aber hier warten die Industriepartner auf die bankfähige Machbarkeitsstudie. Sie würde den Abnehmern eine hohe Verlässlichkeit signalisieren und uns eine bessere Position bei Verhandlungen geben.
Welche Möglichkeiten zur späteren Erweiterung des Projekts sehen Sie aus heutiger Sicht?
„Wie bereits erwähnt gibt es die Möglichkeit, das Projekt in einer zweiten Phase von 18.000 Tonnen auf bis zu 35.000 Tonnen LiOH jährlich auszubauen. Da wir hier von einer Betriebsdauer von mehreren Jahrzehnten reden, liegt auf der Entwicklung dieses Standortes unser voller Fokus.“
Was spricht für Zinnwald Lithium?
„Zinnwald Lithium möchte zu einem führenden und wirtschaftlich leistungsstarken Unternehmen werden, das sich auf die Einhaltung hoher Umwelt- und Sozialverträglichkeitsstandards verpflichtet hat. Das Projekt kann somit beispielhaft für die Durchführung einer nachhaltigen Rohstoffgewinnung werden, so wie wir als Gesellschaft uns das auch weltweit von unseren Rohstofflieferanten wünschen.
Wir geben dem europäischen Automobilbau und der regionalen Batterieproduktion eine deutlich größere Unabhängigkeit vom internationalen Rohstoffmarkt und damit eine klare Zukunftsperspektive bei gleichzeitigem Wettbewerbsvorteil. Jetzt muss schnell und unbürokratisch gehandelt werden. Wir brauchen die Unterstützung aller, vor allem der Entscheider auf kommunaler, deutscher und europäischer Seite, politisch wie verwaltungsseitig.Dann wäre ein Abbaustart in den kommenden zwei bis fünf Jahren durchaus realistisch.“



