PowerCo: Die deutsche Antwort auf die internationalen Batterie-Giganten

BETTERE EXPEDITION

Bild © Simon Voss

Simon Voß hat für seine „BETTERE EXPEDITION“ einen Ort besucht, an dem derzeit nicht weniger als die Zukunft der europäischen Automobilindustrie geschmiedet wird: Salzgitter. Im Gespräch mit PowerCo-CEO Frank Blome wird schnell klar: Hier geht es um weit mehr als nur Batterien. Es geht um industrielle Souveränität.

Aus Simons Perspektive vor Ort wird deutlich, dass Volkswagen mit der Gründung der PowerCo ein radikales Umdenken vollzogen hat. Frank Blome bringt es auf den Punkt: „Die Batterie ist der Verbrennungsmotor der Zukunft.“ Wer diese Technologie nicht selbst beherrscht, wird in der neuen Welt der Elektromobilität zum bloßen Zulieferer degradiert.

Doch wie gewinnt man gegen die etablierte Konkurrenz aus Asien? Die Antwort in Salzgitter lautet: Konsequente Standardisierung.

Das Geheimnis der Einheitszelle

Das Herzstück der Strategie ist die sogenannte Einheitszelle. Simons Einblicke zeigen, dass PowerCo hier das bewährte Plattform-Prinzip von VW (wie den MQB oder MEB) auf die Chemie überträgt:

  • Ein Gehäuse für alles: Die Geometrie der Zelle bleibt immer gleich. Das spart enorme Kosten bei der Produktion und den Anlagen.
  • Innere Flexibilität: Ob günstiges LFP für den ID.2 oder High-Performance-Chemie für Audi und Porsche – die Zelle kann flexibel „befüllt“ werden, ohne die Fabrik umbauen zu müssen.
  • Ready for Future: Sogar die kommende Feststoffbatterie ist als „Drop-in“-Lösung geplant. Wenn die Technologie bereit ist, passt sie in die bestehende Form.

Kosteneffizienz als Überlebensfrage

In seinem Gespräch mit Simon ist Blome entwaffnend ehrlich: Europa ist ein teurer Pflaster. 80% der Zellkosten entfallen auf die Materialien. Um dennoch wettbewerbsfähig zu sein, setzt PowerCo auf radikale Prozessinnovationen wie das Dry Coating (Trockenbeschichtung).

„Die Trockenbeschichtung ist für die Produktion das, was die Feststoffzelle für das Produkt ist – ein echter Game-Changer“, so Blome.Es spart Energie, massiv Platz in der Fabrik und verzichtet auf giftige Lösungsmittel. Es ist das „deutsche Engineering“, das den Kostennachteil gegenüber Subventionsmärkten wie China wettmachen soll.

Fazit: Weniger reden, mehr machen

Simon‘s Besuch endet mit einem klaren Appell von Frank Blome: Wir müssen in Europa pragmatischer werden. Während wir über Brandschutz und Bürokratie diskutieren, ziehen andere an uns vorbei. Die Botschaft aus Salzgitter ist deutlich: Die Fabrik steht, die erste Linie läuft – jetzt ist die Zeit der Umsetzung gekommen.

Simon’s persönlicher Kommentar: Ich wurde in den Wochen nach der Aufnahme oft von Kolleg:innen unserer Branche kontaktiert. Sie hörten, dass PowerCo doch noch nicht so weit sei. Die zwei Mrd Kürzung von VW stelle PowerCo zusätzlich vor große Herausforderungen. Die Skepsis schien bei vielen Fachleuten zu überwiegen. 

Fakt ist, PowerCo bleibt dran und leistet Pionierarbeit, eine neue Zell-Industrie in Deutschland und Europa aufzubauen. Dabei gehen sie mit der Einheitszelle generell einen strategisch sinnvollen Weg. Besuche und Gesprächen bei vielen Lieferanten zeigen mit klar auf, wie gut unser europäisches Netzwerk funktioniert und von welch hoher Qualität unsere Zusammenarbeit ist- auch wenn wir noch langsam sind. Nur lässt sich dies eben noch nicht messen, denn wir sind gerade in der heißesten Phase der Lernkurve – dem Ramp-up.Zu guter Letzt. Batterietechnologie ist keine Raketenwissenschaft, auch wenn die Produktion herausfordernd ist. Das Netzwerk und die Industrieerfahrung gibt Grundlage zur Zuversicht. Jetzt gilt es durchzuhalten und lehrreiche Erfahrungen zu sammeln. Jeder Plan ist eine Grundlage für Veränderung. Großprojekte wie dieses sind Iterationen unterworfen, den Mittelweg zwischen Kundenerwartung und technologischer Machbarkeit auszuloten. Und so kommt PowerCo in gegenseitiger Unterstützung des europäischen Batterie Ökosystems dem Ziel Schritt für Schritt näher.

www.bettere.net/bettere-expedition

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