Europäische Kommission stellt den Battery Booster vor  und „Made in EU“ nimmt Fahrt auf  

Bericht aus Brüssel

Bild © Europäische Union – 2025

Mit 1,8 Milliarden Euro setzt die Europäische Kommission ein deutliches Signal: Der neue Battery Booster soll den Aufbau einer vollständig in der EU verankerten Batteriewertschöpfungskette beschleunigen – und damit Investitionen, Skalierung und strategische Unabhängigkeit im automobilen Kernsegment Batterie stärken. 

Automotive Regions Alliance: Battery Booster ganz oben auf der Agenda

Beim Arbeitstreffen der Automotive Regions Alliance am 18. Dezember 2025 stand das Automotive Package im Zentrum der Beratungen. In den Regionen ist die Erwartung klar: Brüssel soll nicht nur Leitplanken setzen, sondern die industrielle Umsetzung in Europa spürbar beschleunigen – besonders dort, wo Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Versorgungssicherheit zusammenlaufen: bei Batterien.

1,8 Milliarden Euro für Europas Batteriekette

Der Battery Booster ist das finanzielle Schwergewicht des Pakets: 1,8 Milliarden Euro sind vorgesehen, um den Aufbau einer EU-basierten Batterieindustrie zu beschleunigen. Im Kern stehen 1,5 Milliarden Euro als zinsfreie Darlehen für europäische Batteriezellhersteller. Flankierend kündigt die Kommission weitere zielgerichtete Maßnahmen an, um Investitionen zu erleichtern, Innovation zu fördern und die Koordinierung zwischen Mitgliedstaaten zu verbessern. Ziel ist eine kostenwettbewerbsfähigere Batterieproduktion in Europa, abgesicherte vorgelagerte Lieferketten und eine resiliente, nachhaltige Fertigung – ausdrücklich auch als Beitrag zur Risikominderung gegenüber dominanten globalen Marktakteuren. 

Für die Batteriewertschöpfungskette ist entscheidend: Der Booster adressiert nicht nur „Technologie“, sondern die Industrialisierung. Genau hier liegt die aktuelle Sollbruchstelle Europas – zwischen Pilotierung, Hochlauf und globaler Skalierung.

Automotive Package: Flexibilität bei CO₂-Zielen, aber klarer Pfad zur Elektrifizierung

Mit dem Automotive Package will die Kommission einen „ambitionierten, aber pragmatischen“ Rahmen setzen: Der Marktsignalcharakter Richtung Nullemissionsfahrzeuge bleibt bestehen, gleichzeitig sollen Hersteller mehr Flexibilität erhalten, um CO₂-Ziele zu erreichen. 

Konkret sieht die Kommission unter anderem vor:

  • Ab 2035 gilt für Pkw-Hersteller ein 90-Prozent-Ziel für die Auspuffemissionen; die verbleibenden 10 Prozentsollen über Kompensation möglich sein, etwa durch CO₂-armen Stahl „Made in the Union“ oder durch E-Fuels und Biokraftstoffe.
  • Damit können auch Plug-in-HybrideRange ExtenderMild-Hybride und Verbrennerfahrzeuge jenseits von 2035 eine Rolle spielen – neben batterieelektrischen und wasserstoffbasierten Lösungen. 
  • Vor 2035 sind „Super Credits“ für kleine, bezahlbare Elektroautos aus EU-Produktion vorgesehen, um mehr Modelle in diesem Segment in den Markt zu bringen. 

Gerade die Kombination aus Batterie-Booster und „Made in the EU“-Anreizen zeigt: Brüssel versucht, Industriepolitik und Klimapfad enger miteinander zu verzahnen.

„Made in EU“ als Bedingung für öffentliche Unterstützung

Besonders relevant für die Marktdurchdringung ist die Nachfrageseite: Bei Unternehmensflotten plant die Kommission verbindliche nationale Ziele zur schnelleren Einführung von Null- und Niedrigemissionsfahrzeugen. Das soll den Markt (auch den Gebrauchtwagenmarkt) breiter versorgen und durch höhere Laufleistungen zusätzlich Emissionen reduzieren.

Brisant ist dabei die neue Bedingung: Öffentliche finanzielle Unterstützung soll stärker daran geknüpft werden, dass Fahrzeuge null- oder niedrigemittierend sind und „Made in the EU“. Damit wird „Made in EU“ vom politischen Schlagwort zunehmend zum Förderkriterium.

Automotive Omnibus: 706 Millionen Euro weniger Bürokratie pro Jahr

Neben Geld und Regulierung setzt die Kommission auf Entlastung. Das Automotive Omnibus-Paket soll Verwaltung vereinfachen, Investitionssicherheit erhöhen und Ressourcen für Dekarbonisierung freisetzen. Die erwartete Entlastung beziffert die Kommission auf rund 706 Millionen Euro pro Jahr; insgesamt summierten sich die jährlichen Einsparungen aus Omnibus- und Vereinfachungsinitiativen laut Kommission auf rund 14,3 Milliarden Euro pro Jahr.

Teil des Omnibus ist auch eine neue Kategorie für „Small Affordable Cars“ (Elektrofahrzeuge bis 4,2 Meter Länge), damit Mitgliedstaaten und Kommunen gezieltere Anreize für kleine, bezahlbare EU-Elektroautos setzen können.

European Preference: Séjourné macht „Made in Europe“ zur industriepolitischen Leitidee

Parallel zum Automotive Package gewinnt ein zweites Narrativ in Brüssel deutlich an Schub: die „European Preference“Stéphane Séjourné, Exekutiv-Vizepräsident der Kommission für Wohlstand und Industriestrategie, treibt die Debatte seit Monaten.

In einer Grundsatzrede zur Wettbewerbsfähigkeit formulierte Séjourné den Kern der europäischen Präferenz sehr klar: Europäisches Steuergeld soll vor allem Unternehmen zugutekommen, die in Europa produzieren.

Zugleich ist die politische Diskussion um eine „Buy European“-Ausrichtung in Brüssel sichtbar umkämpft – auch wegen unterschiedlicher Positionen der Mitgliedstaaten und möglicher handelsrechtlicher Spannungsfelder. Vor diesem Hintergrund ist jetzt ein Aufruf zur europäischen Präferenz veröffentlicht worden, den Séjourné gemeinsam mit über 1.000 Vertretern aus Unternehmensleitungen sowie Wirtschafts- und Gewerkschaftskreisen unterstützt. Im Kern fordert der Text eine industriepolitische Zeitenwende: Wenn öffentliche Gelder fließen – ob über Ausschreibungen, Beihilfen oder andere Förderinstrumente –, sollen sie konsequent europäische Produktion und hochwertige Arbeitsplätze stärken. Der Aufruf argumentiert zudem mit der Zuspitzung des globalen Wettbewerbs (Zölle, Subventionen, Exportbeschränkungen) und warnt vor einer schleichenden Erosion europäischer Schlüsselindustrien. Den vollständigen Aufruf finden Sie hier.

Einordnung aus Brüssel: Batterieinvestitionen treffen auf neue Förderlogik

Der politische Kurs lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Fördern, vereinfachen, in Europa verankern. Mit dem Battery Booster (1,8 Milliarden Euro) wird erstmals eine Summe in den Mittelpunkt gestellt, die den industriellen Hochlauf der Batteriekette in der EU substanziell adressiert. Gleichzeitig nimmt das Prinzip „Made in EU“ Fahrt auf – nicht nur als Etikett, sondern als Bedingung für Teile der öffentlichen Unterstützung und als strategischer Anspruch im Sinne einer European Preference.Für die Regionen bleibt nun entscheidend, wie schnell aus Ankündigungen umsetzbare Programme werden: zügige Ausgestaltung der Darlehen, klare Kriterien für „Made in EU“, und ein verlässlicher Rahmen für Investitionsentscheidungen entlang der gesamten Batteriewertschöpfungskette.

Das könnte Sie auch interessieren

Wie setzt sich die Batterie-Wertschöpfungskette zusammen? Was sind die aktuellen Batterie-relevanten Rahmenbedingungen? Wie funktionieren die Zusammenhänge zwischen einzelnen Stakeholdern entlang des gesamten Batterie-Kreislaufs?

Beitrag lesen

Wie setzt sich die Batterie-Wertschöpfungskette zusammen? Was sind die aktuellen Batterie-relevanten Rahmenbedingungen? Wie funktionieren die Zusammenhänge zwischen einzelnen Stakeholdern entlang des gesamten Batterie-Kreislaufs? Können wir in Europa für unsere Batteriezellfertigung strategische Rohstoffe sichern und die Abhängigkeiten reduzieren? 

Beitrag lesen

Simon Voß hat für seine „BETTERE EXPEDITION“ einen Ort besucht, an dem derzeit nicht weniger als die Zukunft der europäischen Automobilindustrie geschmiedet wird: Salzgitter. Im Gespräch mit PowerCo-CEO Frank Blome wird schnell klar: Hier geht es um weit mehr als nur Batterien. Es geht um industrielle Souveränität.

Beitrag lesen

Schreibe einen Kommentar

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.