Industrial Accelerator Act kann Europas Batteriewertschöpfung gezielt stärken

Bericht aus Brüssel

Bild © Europäische Union – 2026

Mit dem Industrial Accelerator Act will die Europäische Kommission die Nachfrage nach CO2-armen und in Europa hergestellten Technologien gezielt erhöhen. Für die Batteriebranche ist das Vorhaben besonders relevant, weil Batterien, Batteriespeicher, Elektrofahrzeuge und kritische Rohstoffe ausdrücklich zu den strategischen Bereichen zählen.

Der neue Industrial Accelerator Act ist ein weiterer Baustein der europäischen Industriepolitik. Die Kommission will damit die industrielle Basis in der EU stärken, Investitionen beschleunigen und die Fertigung wieder zu einem größeren Wachstumstreiber machen. Das Ziel ist ambitioniert: Der Anteil des verarbeitenden Gewerbes am Bruttoinlandsprodukt der EU soll von 14,3 Prozent im Jahr 2024 auf 20 Prozent bis 2035 steigen.

Für die Batterie-Wertschöpfungskette ist der Vorschlag besonders interessant, weil er nicht nur die Fahrzeugindustrie adressiert, sondern auch Batterien, Batteriespeichersysteme und kritische Rohstoffe einbezieht. Geplant sind neue „Made in EU“-Vorgaben in bestimmten öffentlichen Vergaben, Auktionen und Förderinstrumenten. Damit soll mehr Nachfrage nach in Europa gefertigten sauberen Technologien entstehen und die Abhängigkeit von außereuropäischen Lieferanten in strategischen Bereichen sinken.

Ein zweiter Hebel ist die Beschleunigung von Genehmigungen. Künftig sollen Projekte über digitale zentrale Anlaufstellen laufen, nach dem Prinzip „one project, one submission“. Hinzu kommen sogenannte Industrial Acceleration Areas, also besondere Industriegebiete, in denen Genehmigungen gebündelt und Verfahren beschleunigt werden sollen. Aus Sicht der Batteriebranche kann das vor allem für Zellfertigung, Recycling, Aufbereitung von Rohstoffen und die Ansiedlung weiterer Teile der Lieferkette relevant werden.

Auch ausländische Direktinvestitionen geraten stärker in den Fokus. Für Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro aus Nicht-EU-Staaten, die in Bereichen wie Batterien, Elektrofahrzeugen, Solar oder kritischen Rohstoffen mehr als 40 Prozent der weltweiten Fertigungskapazität kontrollieren, sollen besondere Bedingungen gelten. Dazu zählen unter anderem hochwertigere Beschäftigung, ein realer Mehrwert in der EU durch Technologie- und Wissenstransfer sowie ein Mindestanteil von 50 Prozent Beschäftigten aus der EU.

Aus Brüsseler Sicht geht es damit um mehr als Klimapolitik. Der Act verbindet Dekarbonisierung, Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Sicherheit. Nach Schätzung der Kommission könnten allein im Batterieumfeld rund 85.000 Arbeitsplätze entstehen. Zugleich erwartet Brüssel schnellere Investitionen und zusätzliche Emissionsminderungen in energieintensiven Industrien, bei Batterien und bei Fahrzeugkomponenten.

Entscheidend wird nun die praktische Umsetzung. Internationale Erfahrungen mit solchen standortbezogenen Industrie- und Entwicklungszonen zeigen, dass schnelle Genehmigungen allein nicht ausreichen. Erfolgreich sind solche Gebiete vor allem dann, wenn sie mit guter Infrastruktur, Fachkräften, Finanzierung, tragfähiger Governance und einer klaren regionalen Entwicklungsstrategie verbunden werden. Genau daran wird sich auch messen lassen, ob die neuen Industrial Acceleration Areas der europäischen Batterieindustrie tatsächlich einen dauerhaften Standortvorteil verschaffen.

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