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BETTERE EXPEDITION

Bild © Simon Voss

die europäische Batterie- und E-Mobilitätsindustrie steht an einem entscheidenden Wendepunkt. Während die technologische Kompetenz in Forschung und Entwicklung in Europa unbestritten hoch ist, hapert es massiv an der Skalierung und Industrialisierung. Der Grund dafür ist ein toxischer Mix aus zögerlichen Kapitalmärkten, fehlenden verlässlichen Business Cases und regulatorischen Bremsklötzen. Doch was benötigen Unternehmer jetzt wirklich, um die Wende zu schaffen, und wie reagiert die europäische Politik darauf?

Das Investoren-Dilemma: „Fear Mode“ statt Risikobereitschaft

Die Batterieproduktion ist ein extrem kapitalintensives „Deep Tech“-Hardwaregeschäft. Während in der Frühphase oft Fördergelder fließen, fehlt es beim Sprung in die Massenproduktion an mutigem Wachstumskapital (Growth Capital). Marian Bocek, CEO von inoBat, bringt die aktuelle Stimmung auf den Punkt: Nach anfänglicher Euphorie befindet sich der Kapitalmarkt derzeit im „Fear Mode“ (Angstzustand) – Investitionen sind eingefroren.

Prof. Simon Lux von der Fraunhofer FFB bestätigt dies aus seinen Gesprächen mit Finanzinstituten: Banken zögern, langfristige Hardware-Projekte zu finanzieren, da ihnen die Planungssicherheit für das kommende Jahrzehnt fehlt. Und auch Lilian und Gideon Schwich (Cylib) fordern ein Umdenken: Es gebe zwar viel privates Kapital in Europa, aber es fehle der Mut, in junge Hardware-Start-ups zu investieren, anstatt das Geld nur in etablierte Konzerne zu leiten. Unternehmer fordern daher „geduldiges Kapital“ und Investoren mit Ausdauer, um die anfänglichen Anlaufverluste und Ausschussraten (Scrap) beim Fabrikaufbau zu überstehen.

Was Unternehmer benötigen: Verlässlichkeit und pragmatische Business Cases

Warum fließt das globale und europäische Geld derzeit lieber nach Asien oder in die USA? Burkhard Straube, CEO von Vianode, liefert die Antwort: „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir im Moment in Europa keine Finanzierung bekommen, weil es keinen Business Case gibt, aber wir bekommen Finanzierungen für Nordamerika, weil es dort ein Business Case ist“. Der Inflation Reduction Act (IRA) der USA und die jahrzehntelangen Subventionen Chinas haben Märkte geschaffen, in denen Investitionen lukrativ und sicher sind.

Zusätzlich bremst die Überregulierung. Frank Blome (PowerCo) kritisiert, dass der Bau einer Fabrik in Deutschland im Vergleich zu Kanada durch extreme Auflagen, etwa beim Brandschutz, unverhältnismäßig verlangsamt und verteuert wird: „Wir machen die Dinge in Deutschland wirklich perfekt, aber wir machen sie auch zu kompliziert. […] wir müssen pragmatischer werden“.

Der politische Konter: Battery Booster und der Industrial Accelerator Act (IAA)

Die Rufe der Industrie nach einem „Level Playing Field“ (fairen Wettbewerbsbedingungen) wurden in Brüssel gehört. Industrieverbände wie BEPA und RECHARGE fordern Instrumente wie einen „Battery Booster“, um finanzielle Unterstützungsmechanismen zu schaffen, die vielversprechende Produktionsprojekte über die Ziellinie retten.

Als weitreichende strategische Antwort hat die Europäische Kommission nun den Industrial Accelerator Act (IAA)vorgelegt. Dieser Gesetzesentwurf soll den industriellen Niedergang umkehren und sicherstellen, dass das verarbeitende Gewerbe bis zum Jahr 2035 wieder 20 % des europäischen BIPs ausmacht. Der IAA setzt genau an den Schmerzpunkten der Unternehmer an:

  • Beschleunigte Genehmigungsverfahren: Der IAA schreibt vor, dass Genehmigungsprozesse für alle Produktionsprojekte massiv vereinfacht und digitalisiert werden müssen. Über zentrale Anlaufstellen (Single Access Points) sollen Unternehmer zukünftig gebündelte Anträge stellen können, für die strenge Bearbeitungsfristen gelten. Zusätzlich werden „Beschleunigungsgebiete“ (Acceleration Areas) ausgewiesen, in denen Basisgenehmigungen für Industrieansiedlungen bereits vorliegen.
  • Schaffung von Leitmärkten durch „Made in EU“: Um die Nachfrage nach europäischen Produkten zu sichern, etabliert der IAA Resilienz- und Nachhaltigkeitskriterien. Bei öffentlichen Beschaffungen und Förderprogrammen für strategische Sektoren (wie Windkraft, Batterien oder Solar) werden Mindestquoten für Komponenten eingeführt, die in Europa und besonders kohlenstoffarm hergestellt wurden. Das belohnt Unternehmen, die hier investieren.
  • Schutz vor strategischer Abhängigkeit (FDI-Screening): Ausländische Direktinvestitionen (Foreign Direct Investment) über 100 Millionen Euro in Schlüsselindustrien (wie Batterien und Elektroautos) aus Ländern, die den Weltmarkt dominieren (z. B. China), werden streng an Bedingungen geknüpft. Um den europäischen Markt nutzen zu dürfen, müssen diese Investoren in Joint Ventures agieren, lokales Know-how aufbauen, Technologietransfer gewährleisten und europäische Arbeitskräfte einstellen.

Fazit: Weniger reden, mehr machen

Die Investitionsbranche in Europa steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Die Zeiten der naiven Marktöffnung sind zumindest für die kommende Zeit vorbei. Mit Initiativen wie dem Battery Booster und dem neuen Industrial Accelerator Act der EU-Kommission werden harte, geopolitisch motivierte Rahmenbedingungen geschaffen, die Investitionen in lokale europäische Lieferketten belohnen und absichern sollen. Was Unternehmer nun am dringendsten benötigen, ist die schnelle und unbürokratische Umsetzung dieser Gesetze in nationales Recht – damit aus politischen Ankündigungen endlich rechenbare Business Cases werden. Diese Signale werden wiederum einen Impuls für private Investitionen in nationale und EU-weite Batterietechnologien fördern. Auf der BETTERE EXPEDITION sehe ich gegenwärtig bereits ein aufwachen aus dem ‚Winterschlaf‘. Das bevorstehende Battery Investors-Event am 04.04 in Berlin, welches wir gemeinsam mit Traweba organisieren Berlin, wird hier weite Einblicke liefern. Ich gebe eine Update im nächsten Newsletter! 

www.bettere.net/bettere-expedition

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Vianode

Innobat

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